Implementierung eines Kernbanksystems: der Weg zu einem beschleunigten Go-Live

Projekte zur Implementierung eines Kernbanksystems gelten als langwierig, teuer und schwer kalkulierbar. Laufzeiten in Jahren sind keine Seltenheit – und am Ende sehen sich Banken veränderten Anforderungen und Marktsituationen gegenüber. Im Interview zeigen BANCOS CTO Udo Oehmig und Product Owner Stephan Mann auf, was Implementierungsprojekte typischerweise bremst und wie die neue Generation BANCOS Core Banking den Prozess grundlegend verkürzt.

 

Vor welchen Herausforderungen stehen Banken üblicherweise bei der Implementierung von Kernbankensystemen?

Udo Oehmig, CTO der BANCOS AG: Der häufigste Schmerzpunkt, den wir sehen: Die Integration in bestehende Systemlandschaften wird massiv unterschätzt. Banken haben oft eine 20, 30 Jahre gewachsene IT – und jede neue Plattform muss sich in dieses Geflecht einfügen. Aus einem eigentlich klaren Projekt wird so schnell ein Mehrjahresvorhaben.

Entsprechend schwer planbar sind die Kosten. Nicht, weil das Kernsystem selbst teuer wäre, sondern weil die Integrationsaufwände erst sichtbar werden, wenn man bereits tief im Projekt steckt. Und das ist ein echtes strategisches Problem: Wenn eine Kernbanken-Implementierung zwei bis drei Jahre dauert, hat sich der Markt in der Zwischenzeit verändert. Banken brauchen Geschwindigkeit – klassische Projekte liefern die oft nicht.

Wir haben das selbst mit Bestandskunden erlebt: Legacy-Abhängigkeiten bremsen nicht nur die Einführung. Sie verhindern auch, dass eine Bank danach wirklich agil agieren kann.

Wie vereinfacht BANCOS mit der neuen Plattform die technische Implementierung eines Kernbanksystems?

Der entscheidende Ansatz ist, dass unser System nicht verlangt, dass die Bank zuerst alles abschaltet. Es läuft unabhängig parallel zum bestehenden Kernbankensystem – wir nennen das einen Side-Car-Ansatz – eine schrittweise Modernisierung statt Big Bang. Für die Bank bedeutet das: kein All-in-Risiko ab Tag 1. Neue Produkte lassen sich auf der neuen Plattform starten, während das bestehende System weiterläuft. Das senkt das Implementierungsrisiko dramatisch.

Alle Integrationen laufen über moderne, offene APIs. Das ist kein proprietäres Interface, das nur mit uns funktioniert – jeder Standard-Service, den eine Bank bereits nutzt, lässt sich anbinden.

Dazu kommt die Datenebene: Wir ermöglichen, dass Daten aus dem Kernbanksystem direkt in eine Data-Lake-Infrastruktur fließen. Das ist wichtig, weil Banken heute nicht nur ein Kernbanksystem wollen. Sie wollen ihre Daten für Analytics, für Reporting und für KI-Anwendungen nutzbar machen.

Einzelne Produkte lassen sich schrittweise auf der neuen BANCOS-Plattform starten, während das bestehende System weiterläuft. Das senkt das Implementierungsrisiko dramatisch.

— Udo Oehmig // CTO BANCOS AG

 

Wie verläuft eine Kernbanken-Implementierung mit BANCOS aus organisatorischer Perspektive?

Stephan Mann, Product Owner BANCOS Core Banking: Wir haben den Ablauf bewusst als strukturierten Onboarding-Prozess angelegt. Grundsatz des Prozesses ist, dass sich die Plattform nahtlos in die bestehende Systemlandschaft und in die externen Dienste einfügt, die eine Bank bereits nutzt.

Am Anfang steht die Übergabe der Kerninformationen durch die Bank. Dazu gehören u.a. die Stylesheets für das Erscheinungsbild der kundenseitigen Oberflächen sowie die Angaben zu den externen Anbietern, die angebunden werden sollen – etwa dem Payment Service Provider.

Sobald diese Kerninformationen geprüft sind, lässt sich das Basissystem direkt im eigenen Cloud-Tenant der Bank aktivieren. Die Bank arbeitet also von Beginn an auf ihrer eigenen Infrastruktur.

Ein weiterer zentraler Schritt zur Beschleunigung des Implementierungsprozesses sind vordefinierte Produkte. Standardprodukte wie Girokonto, Tagesgeld, Festgeld und Kredite stehen direkt zur Verfügung und müssen ggf. nur noch leicht angepasst werden.

Wie profitiert eine Bank von diesem Prozess beim Launch eines Kernbanksystems?

Im Idealfall steht die initiale Implementierung des neuen BANCOS Core Banking innerhalb von Wochen. Neben diesem kurzen „Go-To-Market“ Zeitraum ist die Wirtschaftlichkeit natürlich ein zentraler Punkt. Weil der Aufwand für Integration, Aktivierung und Produktdesign deutlich sinkt, bleiben die Implementierungskosten niedrig – und vor allem planbar.

Neben einem kurzen „Go-To-Market“ Zeitraum sorgt der Einführungsprozess des neuen BANCOS Core Banking auch für niedrige und planbare Implementierungskosten.

— Stephan Mann // Product Owner BANCOS Core Banking

 

Der Effekt endet nicht mit dem Go-live. Auch neue Banking-Angebote und Produkte, die nach dem initialen Setup aufgesetzt werden, erreichen den Markt deutlich schneller. Eine Bank kann damit Angebote testen, aus den Ergebnissen lernen und iterieren – statt jede Produktidee gegen einen mehrmonatigen Projektzyklus planen zu müssen.

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