Digitale Souveränität bei Kernbankensystemen: Wer kontrolliert die Infrastruktur?
Digitale Souveränität hat sich als wichtiger Faktor für die IT-Strategie etabliert – und ist somit auch relevant für Kernbankensysteme. In unserer Interviewreihe vor dem Launch der neuen Generation BANCOS Core Banking steigen wir mit CEO Christian Binderbauer in dieses Thema ein: Warum digitale Souveränität bei Banken in der EU an Bedeutung gewinnt, welche Risiken aus fehlender Souveränität entstehen und an welchen Stellen ein Core-Banking-Anbieter konkret ansetzen kann.
Welche Rolle spielt digitale Souveränität bei Kernbankensystemen?
Christian Binderbauer, CEO der BANCOS AG: Die Bedeutung des Themas nimmt für Banken in der EU derzeit stetig zu. Ein Indikator dafür ist der Trend, der unter dem Begriff „Geopatriation“ diskutiert wird: die verstärkte Nutzung lokaler beziehungsweise regionaler Anbieter. Er zählt zu den wichtigsten Technologietrends des Jahres 2026.
Dahinter steht in erster Linie eine Mischung aus technologischen und geopolitischen Faktoren. Technologisch, weil Banken u.a. mit Cloud-Betrieb und dem Einsatz künstlicher Intelligenz kritische Abhängigkeiten managen müssen. Geopolitisch, weil sich die Rahmenbedingungen für internationale Technologiepartnerschaften spürbar verändert haben.
Was bedeutet mangelnde digitale Souveränität konkret für eine Bank?
Zunächst entstehen Risiken in Form starker Abhängigkeiten: von einzelnen Anbietern, von deren Roadmap, von deren Preisgestaltung, teilweise auch von deren Heimatrecht. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Kontrollverlust im Technologiebereich. Diskutiert wird das derzeit unter dem Stichwort „Kill Switches“ – also der Möglichkeit, dass der Zugriff auf Cloud-Infrastruktur oder KI-Dienste von außen eingeschränkt oder abgeschaltet wird.
Dazu kommt eine enge Verbindung zu regulatorischen Compliance-Anforderungen. Wo Souveränität fehlt, wird der Nachweis gegenüber Aufsicht und Prüfern aufwendiger – und in manchen Konstellationen gar nicht mehr sauber zu führen. Die möglichen Folgen: Beschränkungen beim Wachstum oder Kostensteigerungen durch Aufwände zur Lösung regulatorischer Findings.
Welche Aspekte digitaler Souveränität kann BANCOS bei Kernbankensystemen besonders unterstützen?
Der erste Bereich ist die technologische Souveränität – und die beginnt bei uns als Anbieter selbst. Die BANCOS AG als Unternehmen hinter BANCOS Core Banking ist ein europäisches Unternehmen ohne Kapitalbeteiligung aus Drittstaaten. Unsere Software wird zu 100 Prozent in der EU entwickelt. Wir agieren damit vollständig im europäischen Rechtsrahmen.
Unsere Software wird zu 100 Prozent in der EU entwickelt. Außerdem minimieren wir Abhängigkeiten konsequent über offene Standards, eine API-basierte Architektur und den Einsatz von Open-Source-Komponenten.
Der zweite Ansatzpunkt liegt eine Ebene tiefer, bei den einzelnen technologischen Komponenten. Hier minimieren wir Abhängigkeiten konsequent über offene Standards, eine API-basierte Architektur und den Einsatz von Open-Source-Komponenten. Die Bank ist somit nicht an proprietäre Schnittstellen gebunden und hat in Sachen Infrastruktur mehr Wahlfreiheiten.
Wie stellt BANCOS die Datensouveränität der Anwenderbank sicher?
In erster Linie über das Betriebsmodell. Wir stellen Banken unsere Software zum Betrieb in ihrem eigenen Cloud-Mandanten bereit. Der entscheidende Punkt daran ist die Konsequenz für uns als Anbieter: Kein Mitarbeiter der BANCOS AG hat Zugriff auf die Daten einer Anwenderbank. Das ist keine organisatorische Regelung, die man einhalten oder umgehen kann, sondern eine Eigenschaft des Setups.
Genau darin liegt für uns der praktische Kern digitaler Souveränität bei Kernbankensystemen: Die Bank behält die Kontrolle über ihre Infrastruktur, ihre Schnittstellen und ihre Daten.
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