Foto: Vadim Bogulov via Unsplash

Die Bedeutung von KYC im automatisierten Kunden-Onboarding

Banken und Finanzinstitute stehen bei der Aufgabe zur gesetzeskonformen Identifizierung von Kunden im Konsumentengeschäft in einem vielschichtigen Spannungsfeld. Es steht eine begrenzte - aber wachsende - Zahl an KYC- (Know your customer) Verfahren zur Verfügung, die den regulatorischen Anforderungen zur Prävention von Geldwäsche entsprechen. Diese zeichnen sich durch unterschiedliche Vor- und Nachteile bei Faktoren wie Kosteneffizienz, Verfügbarkeit und Nutzerfreundlichkeit aus. Wie kann man vor diesem Hintergrund die Compliance vereinfachen sowie Prozesse automatisierter und digitaler gestalten? Wir nehmen eine Einordnung der aktuell verfügbaren Optionen zur Umsetzung von KYC im Rahmen von B2C Banking-Produkten vor.

Zu Beginn noch ein Hinweis: BANCOS bietet keine eigenen KYC-Lösungen an. Als langjähriger Entwickler von end-to-end Onboarding-Prozessen für Finanzdienstleister wollen wir hier unsere Erfahrungen zur Einbindung von KYC-Lösungen so anbieterunabhängig wie möglich teilen.

KYC als elementarer digitaler Prozess-Baustein

Das Thema KYC ist in Sachen Compliance und Geldwäsche für Banken im Rahmen ihrer Geschäftsbeziehungen obligatorisch. Identifikation in Person und damit verbundene manuelle Prozesse waren jedoch noch lange nach dem Einzug der Digitalisierung eine der Hauptbarrieren auf dem Weg zur Automatisierung von Onboarding-Prozessen. Längere Zeit übliche Prozesse wie PostIdent entsprachen schnell nicht mehr den Kunden-Ansprüchen an bequeme und möglichst digitalisierte Antragsprozesse. Neben der Digitalisierung von KYC spielt für die Automatisierung die Verbindung mit der qualifizierten elektronischen Signatur (QES) eine große Rolle. Die Verbindung beider Schritte ermöglicht erst den rechtsgültigen Vertragsschluss und somit z. B. im Falle eines Raten- oder Rahmenkreditantrags die sofortige Auszahlung an den (Neu)Kunden.

Wie läuft heute ein digitaler KYC-Prozess ab? Das aktuell am häufigsten eingesetzte Verfahren zur Prüfung der Identität ist die Online-Identifikation per Video-Chat („Video-ID“). Dabei interagiert der Antragsteller mit einem Mitarbeitenden des Lösungsanbieters, der verschiedene Prüfschritte und -interaktionen mit dem Ausweisdokument durchführt und somit bei Fragen oder Problemen des Antragstellenden helfen kann. Anbieter dieser KYC-Lösung können diese i.d.R. mit einer QES verbinden, was eine vollständige Digitalisierung erlaubt. Dies ist ein bedeutender Vorteil dieser KYC-Lösung. Auch die Anforderungen an den Antragstellenden sind in Zeiten mehr und mehr gewohnter Videokonferenzen und hochwertiger Smartphone-Kameras relativ gering. Nachteilig an Video-ID ist vor allem sein vergleichsweise geringer Automatisierungsgrad. Durch die nötige persönliche Interaktion ist es nicht durchgängig verfügbar und manuelle Arbeitsschritte durch den Prüfenden können zu Fehlern führen. Aus Compliance-Sicht gilt es außerdem zu beachten, dass Video-ID-Lösungen mehrerer Anbieter kürzlich durch den Chaos Computer Club gehackt werden konnten. Deshalb ist es bereits als Identifizierungsmethode für die E-Patientenakte untersagt worden.

Weiterentwicklung in der Automatisierung von KYC-Prozessen

Neben dem im Banking dominierenden Video-ID steht noch eine Reihe weiterer KYC-Verfahren zur Verfügung, deren vorrangiges Ziel eine weitergehende Automatisierung ist. Ihre Gemeinsamkeit liegt in der Umgehung der persönlichen Interaktion mit einer prüfenden Person. Die Umsetzung unterscheidet sich jedoch jeweils deutlich, was verschiedene Vor- und Nachteile mit sich bringt. Die folgende Tabelle zeigt diese für die hier besprochenen KYC-Prüfungen in der Übersicht.

Vor- und Nachteile von KYC-Verfahren

 

Auto-ID: Diese Lösung nutzt biometrische Verfahren und wird laut Anbietern unterstützt durch künstliche Intelligenz. Der Kunde fotografiert zunächst das Ausweisdokument und wird durch eine automatisierte Prüfung der Sicherheitselemente des Ausweises geführt. Im Anschluss wird ein Porträt-Foto bzw. -Video aufgenommen und entsprechend abgeglichen. Die Methode ermöglicht eine sehr hohe Verfügbarkeit im Vergleich zum „personalintensiven“ Video-ID. Es setzt allerdings ebenso ein Endgerät mit Kamera sowie ausreichend gute Lichtverhältnisse voraus.

eID: Für das Überprüfen der Identität ist bei diesem Fall ein deutscher Personalausweis mit freigeschalteter Online-Ausweisfunktion (eID) sowie ein Smartphone nötig, welches NFC- (Near Field Communication) fähig ist. Sind diese Voraussetzungen gegeben, liest der Kunde über eine App die Ausweisdaten aus, was den Prozess bereits abschließt. Grundsätzlich ist diese Lösung komfortabel und sicher. Zu bedenken ist jedoch, dass die eID-Funktion noch nicht sehr stark im deutschen Markt verbreitet ist und somit als alleinige Option eine Conversion-Barriere beim Onboarding sein kann.

Bankkonto-ID: Der erste Schritt ist hier das Aufnehmen von Fotos des Ausweisdokuments und vom Gesicht des Antragstellenden. Die persönliche Interaktion zur Prüfung wird anschließend durch den Login ins Online-Banking des Kunden ersetzt, auf dem dann eine gesetzlich vorgeschriebene Transaktion von einem Cent durchgeführt wird. Da über die Daten des Bankkontos die erforderlichen Identitätsprüfungen durchgeführt werden können, kann auch hier der Prozess direkt abgeschlossen werden. Durch die für die Kunden gewohnten Handlungen ist der Prozess komfortabel. Nachteilig kann für daten-sensible Personen hingegen sein, dass man seine Online-Banking Informationen mit dem KYC-Provider teilen muss.

Digitale Identität: Durch Services für eine digitale Identität können verifizierte Angaben und Daten einmalig zentral hinterlegt werden. Werden diese in einem Antragsprozess benötigt, können diese zur Verifizierung per App/ Wallet bereitgestellt werden, ohne diese jedes Mal wieder neu überprüfen zu müssen. Die Nutzung digitaler Identitäten ist allerdings ähnlich wie die eID noch nicht stark verbreitet. Daneben gibt es eine Reihe verschiedener Anbieter, von denen sich in Deutschland noch keiner eine führende Position aufgebaut hat, obwohl bei diesem Marktsegment von potentiell starken Netzwerkeffekten auszugehen ist. Außerdem schlägt sich die Anbieter-Vielfalt in weniger ausgeprägten Implementierungs-Standards nieder.

Welcher KYC-Prozess ist der richtige für mein Onboarding?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Angesichts der technischen Weiterentwicklung der Verfahren und der für deren Zulassung nötigen gesetzlichen Konformität in Sachen Geldwäscheprävention gilt es für Banken und Finanzdienstleister, die Situation rund um KYC kontinuierlich zu beobachten. Der Markt und die Kundenbedürfnisse bewegen sich immer weiter in Richtung Geschwindigkeit und Bequemlichkeit – insbesondere im Kreditgeschäft – wozu die alternativen Lösungen gegenüber dem aktuellen Standard Video-ID Vorteile bieten. Diese sind jedoch hinsichtlich der jeweiligen Kundenzielgruppe in Bezug auf ihre möglichen Nachteile und Barrieren zu bewerten. 

Neben einer optimierten Customer Experience spielen für eine abschließende Entscheidung natürlich die Kosten der KYC-Verfahren eine entscheidende Rolle. Als Richtschnur kann man annehmen, dass Video-ID als digitale Lösung niedrigere Kosten als PostIdent aufweist. Im Vergleich mit den weiter automatisierten Lösungen sind die Kosten jedoch aufgrund des nötigen Personaleinsatzes in der Regel höher.

Eine empfehlenswerte Grundlage ist eine flexible technologische Infrastruktur, die durch entsprechende Schnittstellenkompetenz die Anbindung der individuell gewünschten KYC-Lösung ermöglicht. Ein denkbares Szenario könnte z. B. sein, dass man den Kunden im Antragsprozess eine Auswahl verschiedener Identifikationsmethoden anbietet, vergleichbar mit der Entscheidung für eine Zahlungsoption in E-Commerce Checkouts.

Unsere end-to-end Lösung BANCOS Onboarding für vollautomatisierte Antragsprozesse beinhaltet eine solch flexible Schnittstellen-Architektur – u.a. für den Bereich KYC. Informieren Sie sich hier online und nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf, wenn Sie individuelle Beratung oder eine persönliche Demo wünschen.

Weitere Beiträge

Automatisierte Kreditentscheidung als Teil des digitalen Kundenerlebnis
Insight

Wie die Kreditentscheidung das digitale Kundenerlebnis prägt

Die Automatisierung von Prozessen im Kreditgeschäft bietet neben Effizienzgewinnen und Skalierungspotentialen weitere Vorteile, die sich stark auf das Kundenerlebnis am Point-of-Sale auswirken. Besonders zentral ist dabei die automatisierte Kreditentscheidung – sowohl im Vertrieb auf Kreditvergleichs-Plattformen als auch für die Kreditkunden selbst.

Start des BANCOS Fintech Company Builder
Unternehmen

G&H Bankensoftware AG startet Company Building mit Fintech Startups

Mit dem BANCOS Fintech Builder bauen wir nun einen Geschäftszweig rund um das Company Building auf. Ab sofort suchen wir motivierte Gründer*innen, die ihre Idee für ein Fintech Startup mit uns realisieren wollen. Das Mentoring durch erfahrene Experten, Markt-Knowhow und Marktzugang sowie technische und fachliche Kapazitäten für eine effiziente MVP-Entwicklung sind besondere Stärken unseres Angebots.

BANCOS Rebranding und neue Website
Unternehmen

BANCOS mit neuem Markenauftritt

BANCOS und die G&H Bankensoftware AG entwickeln sich auf vielen Ebenen kontinuierlich weiter – vor allem im Bereich des Angebotsportfolios. Mit einem umfassenden Rebranding werden diese Weiterentwicklungen nun auch visuell und kommunikativ unterstrichen.