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Banken und Embedded Finance – Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren

Embedded Finance ist einer der aktuell prominentesten Branchen-Trends. Studien und Prognosen skizzieren große Markt- und Umsatzpotentiale in den kommenden Jahren. Wie können Banken an diesen Geschäftspotentialen partizipieren und welche Voraussetzungen sind dabei in der IT nötig? Diesen Fragen gehen wir hier nach und klären, worauf es für Banken besonders ankommt.

Zum Einstieg eine kurze Begriffsklärung: Unter „Embedded Finance“ versteht man die Integration von Finanzdienstleistungen direkt in den Kaufprozess von Produkten und Dienstleistungen durch Unternehmen, die selbst keine Banken bzw. Finanzdienstleister sind. Die eingebettete Leistung kann aus einem breiten Angebotsspektrum kommen wie z. B. Zahlungen – u.a. „buy now pay later“ (BNPL)-Angebote oder Rechnungskauf – Kredite, Konten, Kreditkarten oder Versicherungen. Das Prinzip ist grundsätzlich nicht neu, Auto-Banken oder vergleichbare Händlerfinanzierungen werden gerne als „frühe“ Formen  von Embedded Finance genannt. Es gewinnt jedoch durch Digitalisierung und Automatisierung sowie ein sich durch diese Faktoren veränderndes Kauf- und Konsumverhalten enorm an Schwung. Entsprechend groß wird das Wachstumspotential bewertet. Die Unternehmensberatung Bain geht von einer Steigerung der Erlöse für den Gesamtmarkt in den USA von 22 Mrd. $ in 2021 auf 51 Mrd. $ in 2026 aus. Zu ähnlichen Zahlen kommt McKinsey: Ausgehend von Gesamterlösen in Höhe von 20 Mrd. $ prognostizieren sie eine Verdopplung in den kommenden 3-5 Jahren. Von ähnlichen Entwicklungen auf entsprechenden Erlösebenen ist auch für die DACH-Region auszugehen.

Das Kreditgeschäft als wichtiges Marktsegment

Neben Zahlungsdienstleistungen ist die Einbettung von Kreditangeboten eine sehr relevante Option für Banken. Das Segment lässt sich in weitere Untersegmente gliedern, womit auch neue Marktakteure und Wettbewerber auf den Plan kommen. Im Bereich „buy now pay later“ dominieren spezialisierte Anbieter wie Klarna, Riverty (früher Afterpay) oder Affirm. Neben BNPL sind noch die Bereiche Point-of-Sale- sowie B2B-Kredite zu betrachten. Gerade bei Letzteren sind Fintechs aktiv, die sich auf das Bereitstellen von Krediten für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert haben. Wachstumschancen durch embedded Angebote bestehen angesichts des prognostizierten Marktwachstums für Banken in allen Lending-Segmenten. Auf die dabei zu beachtenden Risiken und Chancen sowie die Erfolgsfaktoren bei der technischen Umsetzung gehen wir nun im Einzelnen ein.

Welche Risiken und Herausforderungen bestehen bei Embedded Finance?

Aus dem diversifizierten Markt- und Wettbewerbsumfeld sowie der Platzierung eigener Angebote auf den Plattformen und Kanälen Dritter deutet es sich an: Banken müssen mit integrierten Finanzprodukten Risiken managen. Ein wesentliches davon ist der potenzielle Verlust der Kundenschnittstelle. Traditionell ist gerade die Kreditvergabe ein Produktsegment, in dem bisher so gut wie ausschließlich Banken im Wettbewerb um die Kunden standen. Diese Customer Journeys fanden an den bankeigenen Touchpoints statt. Im Falle von Embedded Lending kann diese Customer Journey nun auch bei jedem Unternehmen oder jedem Händler stattfinden, welche Finanzdienstleistungen einbetten. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass Bestandskunden ohne Wissen der Hausbank bei anderen Anbietern Kredite abschließen. Die so insgesamt steigende Wettbewerbsintensität resultiert in einem weiteren Risiko, nämlich dem sinkender Margen. Dies erhöht den Kostendruck für Banken weiter.

Wie können Banken von Embedded Finance profitieren?

Das sich so entwickelnde neue Marktumfeld bietet Banken aber auch eine Reihe von Chancen. Außerdem können sie bestehende Wettbewerbsvorteile ausspielen. An erster Stelle ist die Chance zur erweiterten Kundenakquise zu nennen. Embedded Finance bietet gerade in Bezug auf digitale Kontaktpunkte vielfältige Möglichkeiten, über die sich Banken als essenzieller Partner und Enabler positionieren oder sogar neue digitale Geschäftsmodelle erschließen können. In der Kooperation mit dem Frontend-Partner sind sie es schließlich, die z. B. die Kredite in die Bilanz nehmen. Auf diese Weise wird das Finanzprodukt zur Zahlungsmethode. Die Bank hat somit die Chance, in der Wahrnehmung des Kunden enger mit dem eigentlichen Kauf und der Befriedigung eines Bedürfnisses verbunden zu werden als „nur“ mit dem Bereitstellen von Geld.

Im Kampf um die Gunst der Kund*innen können Banken insbesondere auf zwei Wettbewerbsvorteile gegenüber vielen Newcomern und Fintechs setzen. Zum einen ist dies die eigene Markenstärke. Bei Finanzdienstleistungen spielt Vertrauen eine große Rolle, welches Banken durch i.d.R. langjährige Geschäftstätigkeit und Spezialisierung haben aufbauen können. Zum anderen ist im Banking der Bereich Regulatorik nicht zu vergessen. Auch hier können etablierte Player ihre Expertise und Erfahrung in Sachen Risikomanagement und Compliance bei der Implementierung und Abwicklung der nötigen Prozesse einbringen.

Checkliste: Automatisierung Kreditanstragsprozesse | BANCOS

IT-Erfolgsfaktoren in der Umsetzung

Für ein Embedded Finance Angebot sind grundsätzlich drei Rollen auszufüllen, die meist jeweils ein Akteur übernimmt. Ein Partner stellt das Angebot (z. B. die Bank), der zweite vertreibt es bzw. bettet es ein (z. B. ein Händler) und der Dritte liefert die technische Basis. In diesem Zusammenhang stellt sich für Banken die zentrale Frage: In wie weit kann und will man selbst zum Technologie- bzw. Software-Anbieter werden?

Banken haben also die Wahl, entweder eigene Technologie oder Software zusammen mit dem Finanzprodukt bereitzustellen (Banking as a Service) oder mit einem externen Spezialisten als Partner zusammenzuarbeiten. Die Eigenentwicklung erfordert einen hohen Aufwand an Zeit sowie an personellen und finanziellen Ressourcen. Sie eröffnet allerdings auch die Möglichkeit, in Eigenregie ein ganz neues Geschäftsfeld aufzubauen. Mit einer Technologie-Partnerschaft lässt sich diese Verantwortung teilen und Aufwände z. T. erheblich reduzieren, wenn auf bereits etablierte Lösungen und Expertise zurückgegriffen werden kann. Ist die Software-Lösung entsprechende konzipiert, bieten Technologie-Partner auch Beratung und Begleitung beim Prozess- und Workflow-Setup an, um bankinterne Ressourcen weiter zu entlasten.

Unabhängig von dieser strategischen Entscheidung kommt es zur erfolgreichen technischen Umsetzung von Embedded Finance Angeboten für Banken besonders auf die folgenden Faktoren an.

  1. Prozesse weitestgehend automatisieren: Dieser Aspekt ist insbesondere für integrierte Kreditprodukte im Retail-/B2C-Bereich wichtig, da die Margen bei diesen Produkten relativ niedrig sind. Durch einen idealerweise vollautomatisierten Kreditantragsprozess einschließlich der Kreditentscheidung können die Kosten verringert und so ein profitables hochvolumiges Geschäft ermöglicht werden.
  2. Schnittstellen-Management beherrschen: Durch die typische Konstellation von drei Partnern sind Übergabepunkte zwischen den Akteuren und ihren Systemen zahlreicher und tendenziell noch kritischer als bei klassischen Kreditantragsprozessen. Zuverlässige Schnittstellen auf API-Basis sind daher von entscheidender Bedeutung, genauso wie eine hohe Lösungskompetenz, wenn einzelne Elemente im Prozess nicht funktionieren oder ausfallen.
  3. Partner-Anforderungen zuverlässig erfüllen: Die Distributionspartner der Banken können aus sehr unterschiedlichen Branchen kommen. Sie eint allerdings meistens an hohes Anspruchslevel an die Zusammenarbeit. Denn gerade Embedded Lending Angebote werden als Zahlungsmethode essenzieller Teil des Kaufprozesses mit direktem Einfluss auf zentrale KPIs des Partners wie Conversion Rates. Zur zuverlässigen Erfüllung solcher Anforderungen vor allem in Sachen Stabilität, Performance und Transparenz kann gerade das Zusammenspiel der genannten Faktoren Automatisierung und Schnittstellen-Management einen wesentlichen Beitrag leisten.

 

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